Die Entstehung mobiler Jugendarbeit

Mobile Jugendarbeit ist ein aufsuchendes und sozialraumorientiertes Jugendberatungskonzept. Es entstand 1967 in Stuttgart als praktische Kritik an rein individualisierender Jugendhilfe und als Ergänzung der offenen Jugendarbeit, die gefährdete Jugendliche nicht erreicht. Mobile Jugendarbeit wird im Rahmen gruppen- und einzelfallbezogener Sozialpädagogik und Sozialarbeit umgesetzt. Sie ist stadtteil- beziehungsweise sozialraumbezogen und zielt darauf, Ausgrenzungsprozesse von Jugendlichen zu verhindern oder rückgängig zu machen. Dabei werden Ressourcen und Selbsthilfekräfte zur Lösung sozialer Probleme im Gemeinwesen genutzt und nachhaltige Lösungen angestrebt. Zwei Formen Mobiler Jugendarbeit lassen sich heute unterscheiden: Ein gemeinwesenorientiertes Konzept, das in großen Wohnsiedlungen („Schlafstädten“) entstand und ein eher Szenen- oder zielgruppenbezogenen Ansatz in den Aktionszentren der Großstädte. Seinen Ausgangspunkt hatte Mobile Jugendarbeit in der gemeinwesenorientierten Form.
 
Die Entwicklung des Konzeptes Mobile Jugendarbeit in den 60er Jahren in Deutschland geht zurück auf die Auseinandersetzung mit amerikanischen Autoren und Projekten aus den Bereichen der Arbeit mit delinquent handelnden jugendlichen Straßengruppen und Street Gangs (street work, street corner work, street gang work, street club work), sowie mit der gemeinwesenbezogenen Arbeit (Shaw and McKay 1942, Spergel 1966; Miller 1986, ausführlich dazu: Specht 1979).
 
Die praktischen Anfänge professioneller Mobiler Jugendarbeit in Deutschland in den 60er Jahren liegen bei der Diakonie und gehen zurück auf die Chicago-Schule (Shaw u. McKay) in den USA der 20er Jahre (area approach). In Deutschland steht die Mobile Jugendarbeit aber auch in der Tradition einer gemeinwesenorientierten Arbeit in Holland (vgl. „kategoriale“ GWA bei Bolz/Boulet 1973). In den sechziger Jahren, der Phase westdeutscher Urbanisierung, entstanden an den Randzonen der Großstädte zwar rasch wachsende Neubausiedlungen, die soziale Infrastruktur insbesondere für Jugendliche wurde aber weitgehend vernachlässigt. Dies galt in diesem Zeitraum auch für viele andere europäische Länder.
 
Rocker, auffällige Jugendcliquen und Jugendbanden, die Probleme in der Öffentlichkeit machten und für Aufsehen sorgten, forderten neben der Polizei und den Jugendgerichten zunehmend auch Sozialarbeit und Sozialpädagogik heraus. So kam es, ausgehend von der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart, dass seit 1967 Mobile Jugendarbeit - aus den USA übernommen und auf Deutschland modifiziert - als ein erfolgreiches Konzept praktischer Jugend- und Sozialarbeit angewandt wird. Andere freie Träger, und später auch öffentliche, kamen hinzu.
 
Mitte der 70er Jahre entstanden dann, über die Grenzen Stuttgarts hinaus, weitere Projekte und Einrichtungen Mobiler Jugendarbeit in Baden-Württemberg. Heute gibt es in Baden-Württemberg in 94 Städten und Gemeinden Einrichtungen Mobiler Jugendarbeit, bundesweit, also seit den 90er Jahren auch in den neuen Bundesländern, sind es ca. 1200.
 
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